HarzOptics GmbH

Der Harzkreis als Kompetenzcluster für optische Technologien – Visionen zur nachhaltigen Regionalentwicklung


U.H.P. Fischer (member IEEE)
HarzOptics GmbH, Dornbergsweg 2, 38855 Wernigerode
ufischerhirchert@harzoptics.de

Christian Reinboth
HarzOptics GmbH, Dornbergsweg 2, 38855 Wernigerode
creinboth@harzoptics.de


Zusammenfassung: Dieses Positionspapier umreißt mögliche Maßnahmen zur Schaffung und Erhaltung eines optischen Kompetenzclusters in der mitteldeutschen Harzregion sowie die damit verbundenen Chancen für die regionalwirtschaftliche Entwicklung. Dazu wird zunächst die Grundidee des Kompetenzclusters als Zukunftsmodell für das regionale Wirtschaftswachstum dargestellt, anschließend werden die Besonderheiten der Harzregion und die Dimensionen des Vorhabens beschrieben. Das Papier schließt mit einer kurzen Aufzählung relevanter kurz-, mittel- und langfristiger Maßnahmen zur nachhaltigen und gerichteten Clusterbildung.


1 Der Kompetenzcluster als Zukunftsmodell

1.1 Optik ist Zukunft

Optische Technologien gehören zu den zukünftigen Schlüsseltechnologien in einer Vielzahl von technischen und industriellen Bereichen – und haben damit eine enorme Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Schon heute sind mehr als 15% aller Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe entweder direkt im Bereich der optischen Technologien angesiedelt, oder werden von diesen beeinflusst. Licht ist eines der wichtigsten Werkzeuge in der nahen und mittleren Zukunft. Es ist universell einsetzbar, belastet die Umwelt in keinster Weise und beinahe monatlich eröffnen sich neue Möglichkeiten der Anwendung. Optische Technologien finden mittlerweile Anwendung in vielen zukunftsträchtigen und hochinnovativen Bereichen: in der Industrie, in der Medizintechnik, in den Bereichen Automotive und Aerospace, aber auch im privaten Home-Entertainment [OT05].

Die optische Branche ist daher sowohl ein Job- als auch ein Innovationsmotor ersten Ranges: Mit einem Zuwachs der Beschäftigtenzahlen in einer Größenordnung von mehr als 40% wird noch während der nächsten Jahre in Deutschland gerechnet – und das in einer Phase der Quasi-Rezession, in der in anderen Branchen mehr und mehr Stellen abgebaut werden [OT05].

Dabei ist heutzutage kaum eine Technologie so vielseitig und innovativ wie die Optik. In nahezu allen Branchen – von der Medizintechnik über die Automobilindustrie und den Infotainment-Bereich bis hin zur Beleuchtungstechnik entfalten optische Komponenten ihre Wirkung. Durch sie werden Automobile leichter und damit energiesparender und umweltschonender. In der Medizin ermöglichen sie sanfte Diagnose- und Heilungsmethoden und ersparen nicht nur dem Patienten anstrengende Eingriffe, sondern auch dem Gesundheitssystem unnötige Kosten. Leuchtdioden mit geringem Energieverbrauch und hoher Lichtstärke helfen in der Beleuchtungstechnik die Umwelt zu schonen und die Energiekosten zu senken. Und nur durch die Berabeitungsmöglichkeiten für Kleinstkomponenten, die sich durch feine Laser eröffnen, lassen sich immer kleinere Geräte mit immer mehr Funktionen für den Infotainment-Markt produzieren [KTO06].

Um das in der Entwicklung der optischen Technologie enthaltene wirtschaftliche und wissenschaftliche Potential auf optimale Weise zu nutzen, gilt es, die wissenschaftlichen und technologischen Kompetenzen aufzubauen, die in der Produktion benötigt werden, sowie  innovationsfördernde und nachhaltige Netzwerkstrukturen zu schaffen und zu erhalten, die sich der wissenschaftlichen Förderung und der wirtschaftlichen Nutzung sowie der regionalen Entwicklung optischer Technologien verschreiben.

1.2 Viele Partner und ein Ziel

In einem solchen sogenannten regionalen Kompetenzcluster vereinigen sich Wissenschaft und Wirtschaft, Forschung und Produktion ebenso wie regionale und überregionale politische Kräfte und Verbände mit dem Ziel, die regionale wirtschaftliche Ausrichtung durch gezielte Verbundmaßnahmen zukunftsorientiert und nachhaltig zu entwickeln und dabei auch einen positiven Beitrag zur Weiterentwicklung der optischen Technologien und zur Stärkung des  Wirtschaftsstandorts Deutschland zu leisten. Die Bildung von Netzwerken zwischen leistungsstarken Partnern aus verschiedenen Wirtschafts- und Arbeitsbereichen erwächst in einer auf allen Ebenen immer stärker vernetzten Welt häufig zur Grundlage für innovative neue Technologien und Dienstleistungen, und damit zur Grundlage für nachhaltiges Wachstum. Dort wo Potentiale zusammenkommen und sich die Synnergien frei entfalten können, wächst die Fachkompetenz, und mit ihr wachsen auch die Chancen für die Region – dies entspricht genau der  Zielsetzung eines Kompetenzclusters.

1.3 Leistung und Gegenleistung

Welche Möglichkeiten eröffnen sich nun den Unternehmen und sonstigen Einrichtungen im Einzugsgebiet eines solchen Clusters? Zielstellungsgebend sind insbesondere die Chance, sich an gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsprojekten zu beteiligen, wie auch die verbesserten Möglichkeiten, in einem überschaubaren Wirtschaftsraum exzellente Geschäftspartner zu finden und langfristige, profitable Arbeitsbeziehungen aufzubauen.

Darüber hinaus ergeben sich noch weitere Formen des gegenseitigen Austausches und der Unterstützung, wie beispielsweise die Schaffung eines gemeinsamen, aussenwirksamen Marketingprofils, das Auftraggeber auf die Region und ihre Angebote und Vorzüge aufmerksam machen. Dies kann über einen gemeinsamen Internetauftritt geschehen, über gemeinsame Messestände oder die Integration einer shared corporate identity für das Konzept des Kompetenzclusters in die Außenauftritte von Unternehmen und Forschungsprojekten. Weitere Synnergieeffekte ergeben sich durch die Bildung themenorientierter Fachgruppen und die damit verbundene Intensivierung des fachlichen Austausches.

Ein nicht zu vernachlässigender Vorteil besteht auch in der Koordination und Absprache bei der Beantragung von Fördermaßnahmen auf Bundes- oder Landesebene, die nicht selten auf Netzwerkförderung abzielen, und zudem im Kollektiv einfacher gegenzufinanzieren und zu bewältigen sind. Ein Kompetenzcluster kann so dazu führen, dass auch das volle Förderpotential einer Region ausgeschöpft wird und damit zusätzliche Mittel in den Wirtschaftsraum und in die beteiligten Unternehmen fließen. Beispiele für netzwerkorientierte Fördermaßnahmen sind Pro Inno II, FH³ und NEMO, welches zudem auch nur für Standorte in den neuen Bundesländern beantragt werden kann.

Die Organisationsstruktur eines Kompetenzclusters kann darüberhinaus auch Aufgaben übernehmen, die keinem der Akteure einen unmittelbaren Vorteil bringen, die aber der weiteren Entwicklung der optischen Technologien und der Profilierung der Wirtschaftsregion dienen, und somit zum langfristigen Bestehen des Clusters selbst beitragen. Zu diesen Aufgaben gehört beispielsweise die breite Öffentlichkeitsarbeit – die Unterrichtung der Öffentlichkeit über die Nachhaltigkeit und die Zukunftswirksamkeit von optischen Technologien – oder auch die Unterstützung von nicht-konkurrierenden Existenzgründungen im optischen Bereich durch Coachings und die Vermittlung von Geschäftskontakten.

1.4 Vorbild Ostwürttemberg - ein Kompetenzcluster mit Zukunft

Das der Aufbau eines Kompetenzclusters für optische Technologien nicht nur möglich ist, sondern sich auch bereits nach kürzester Zeit in steigendem Wachstum und einem wirtschaftlichen Erstarken der Region niederschlagen kann, zeigt die Wirtschaftsregion Ostwürttemberg. Im so genannten „Photonic Valley“ rund um die FHTW Aalen (FH), die seit kurzem einen eigenen Master-Studiengang „Photonics“ anbietet, haben sich mittlerweile mehr als 50 kleine, mittlere und große Unternehmen aus dem optischen Bereich angesiedelt – und das bei schlechteren Förderbedingungen und – verglichen mit den neuen Bundesländern – unmodernerer Infrastruktur. Für die Region ergaben sich daraus nicht nur 7000 Arbeitsplätze sondern auch ein ganz besonderes Image: Ostwürttemberg nimmt seit mehreren Jahren den vordersten Platz in der bundesdeutschen Patentstatistik ein – mit mehr Patenten pro Beschäftigten als jede andere Region Deutschlands [WiRO06].

Möglich gemacht wurde dieser Erfolg durch die gezielte Bildung von Netzwerken, die Schaffung optimaler Ansiedlungsbedingungen für optisch orientierte Wirtschaftsunternehmen und die bildungspolitische Fokussierung der Hochschule auf innovative und zukunftsträchtige Technologien. Damit ist der Erfolg des Vorhabens in erster Linie auf Engagement und den Willen zur Exzellenz zurückzuführen und nicht auf besondere Standortfaktoren [Bilger03].

In den neuen Bundesländern bieten sich im Vergleich bessere Förderbedingungen und eine modernere, da neuere und noch in der Erneuerung befindliche informationstechnologische und verkehrstechnische Infrastruktur. Eine Schwäche im direkten Vergleich zeigt sich im Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten und innovativen Forschungsprogrammen – genau hier kann die Hochschule gemeinsam mit regionalen Partnern wie IGZ und tti Abhilfe schaffen und somit gleichsam zum Katalysator als auch zum Herzstück eines Kompetenzclusters werden.

2 Der Harzkreis als optischer Kompetenzcluster

2.1 Die Hochschule Harz - ein regionaler Innovationsmotor

Eines der Kernelemente des Kompetenzclusters ist die Hochschule Harz, die nicht nur ein innovativer und leistungsstarker Forschungspartner, sondern auch ein political player ist und sich mit ihrem regionalen Gewicht für Ausbau und Fortbestehen des Clusters einsetzt.

Die Hochschule – eine der jüngsten und modernsten Deutschlands – hat sich seit ihrer Gründung im Jahre 1991 an ihren beiden Standorten im Harzkreis – Wernigerode und Halberstadt – zu einem Innovationsmotor ersten Ranges mit ständig steigenden Bewerber-, Studierenden- und Beschäftigtenzahlen entwickelt. Durch die internationale Ausrichtung und den hohen Praxisanteil der Studiengänge trainieren die Studierenden nicht nur von Anfang an auch ihre soft skills, sondern  bereiten sich auch in bestmöglicher Weise auf die Anforderungen des Arbeitsmarkts vor. Betreut werden sie dabei von über 200 Mitarbeitern, die sich im Rahmen von Seminaren mit durchschnittlich 30 Teilnehmern intensiv um die praxisnahe Ausbildung der jungen Nachwuchskräfte bemühen können.

Mit ihren drei Fachbereichen – Wirtschatftswissenschaften und Automatisierung & Informatik in Wernigerode und Verwaltungswissenschaften in Halberstadt – und den über 3300 Studierenden bildet die Hochschule den wissenschaften Kompetenzkern der Region und damit auch des regionalen Clusters.

Campus der Hochschule Harz im Harzkreis

Abb. 1: Campus der Hochschule Harz in Wernigerode

Die ingenieurswissenschaftlichen und informationstechnologischen Studiengänge werden im Wernigeröder Fachbereich Automatisierung & Informatik beherbergt. Bereits frühzeitig richtete man sich in diesem Fachbereich auf die Vergabe der zukünftig an Bedeutung zunehmenden Bachelor- und Master-Abschlüsse ein, und kann inzwischen acht grundständige Studiengänge und einen internetbasierten Fernstudiengang anbieten, darunter Wirtschaftsingenieurwesen, Automatisierungstechnik, Medieninformatik, Technische Informatik und Wirtschaftsinformatik.

2.2 Die Hochschule als Standort für Exzellenzforschung

Das Streben der Hochschule Harz nach wissenschaftlich wertvoller und zugleich wirtschaftlich ausgerichteter Forschung in verschiedenen hochtechnologischen Bereichen wird an der reinen Anzahl der aktuellen Forschungsprojekte des Fachbereichs Automatisierung und Informatik ersichtlich, von denen einige nachfolgend kurz vorgestellt werden sollen.

TaBu. Entwicklung einer Planungs-, Optimierungs- und Archivierungssoftware für den Fahrzeugeinsatz im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs, insbesondere im Eisenbahnbereich, wo die Software bereits von der Harzer Schmalspurbahn – der ältesten Schmalspurbahn Deutschlands – eingesetzt wird.

RoboCup. Im Rahmen dieses von der DFG geförderten Projektes werden die Grundlagen autonomer Roboter und Multiagenten-Systemen, die in Industrie und im Bereich der Haushaltsroboter verwendet werden können spezifiziert und erforscht.

Optomux. Entwicklung und Herstellung des Prototypen eines optischen Datenübertragungssystems mit Wellenlängenmultiplex-Technologie (WDM) und unter Einsatz von Polymerfasern (POF) als Lichtwellenleiter. Ein solches System kann beispielsweise zur Kurzstrecken-Datenübertragung in Automobilen oder Sondermaschinen eingesetzt werden. Dieses Forschungsprojekt resultierte bislang in der Einreichung dreier Patentanträge [Patente].

Faserlinsen. Dieses Projekt beschäftigt sich mit mit der Entwicklung einer Maschine zur Herstellung von integrierten Linsen an den Enden von Glasfasern. Gleichzeitig wird das optische Modenfeld dieser Bauteile mit einer neuen, experimentellen Form der Nahfeldmethode vermessen.

Am Fachbereich AI der Hochschule Harz entwickelter optischer Digitalsender

Abb. 2: Am Fachbereich AI der Hochschule Harz entwickelter optischer Digitalsender

FuelCellSens. Entwicklung und Bau des Prototypen eines selektiven Gassensors für den Hochtemperatureinsatz. Ein solcher Sensor kann zur selektiven Analyse von Gasen bei Temperaturen bis zu 900ºC eingesetzt werden und beispielsweise bei Verbrennungsgasen in Kraftwerken oder Automobilen zum Einsatz kommen.

Leitende Ionenspuren in DLC. Herstellung und Untersuchung leitender Ionenspuren in diamantartigen Kohlenstoffschichten und Entwicklung neuer, quasi-eindimensionaler Bauelemente mit Abmessungen im Nanometerbereich.

Weitere Informationen über laufende und geplante Forschungsvorhaben der Hochschule aus Eigen- und aus Drittmitteln sind im Internet verfügbar [Forschung].

2.3 Der Harzkreis - ein Standort mit Zukunft

Der Harzkreis bietet Investoren – nicht nur aus dem optischen Bereich – ein hervorragendes Wirtschaftsumfeld mit überzeugenden Standortvorteilen. Zu diesen Vorteilen gehört beispielsweise die hochmoderne, seit der Wende vollständig neugestaltete, regionale Verkehrsinfrastruktur mit direkter Anbindung an die neue Harz-Autobahn, das Schienennetz der Deutschen Bahn und den internationalen Verkehrsflughafen Leipzig-Halle. Dazu kommen die großzügigen Leistungen zur regionalen Wirtschaftsförderung und die breitangelegte Unterstützung staatlicher Stellen und regionaler Partner bei unternehmerischen Gründungen oder Ansiedlungen.

Durch das starke standing der Region in Sachen Ausbildung, Fortbildung und Studium ergeben sich vielfältige Synnergien mit dem technischen und verwaltungstechnischen Arbeitsmarkt, so dass qualifizierter Nachwuchs und Weiterentwicklung des bestehenden Mitarbeiterpotentials einen Standortvorteil der besonderen Art bilden. Aber auch als Lebensraum für Familien entfaltet der Harzkreis seine Stärken, immer getreu dem Motto: Dort leben und arbeiten, wo andere Urlaub machen.

2.4 - Der Herzkreis - Wirtschaftsraum mit Lebensqualität

Umgeben von der majestätischen Harzer Bergwelt liegen die beiden Kleinstädte Wernigerode und Halberstadt, die beiden Standorte der Hochschule Harz und die Zentren des Harzkreises. Hier findet sich nicht nur ein innovativer Wirtschafts-, sondern auch ein beschaulicher Lebensraum mit hervorragender Infrastruktur und optimalen Anbindungen an Metropolen wie Berlin, Hamburg oder Frankfurt.

Wernigerode, die „bunte Stadt am Harz“, ist maßgeblich durch die alten Fachwerkbauten, die schmalen Gassen und die vielen touristischen Sehenswürdigkeiten, wie Rathaus und Schloss, geprägt, die dem Ort seinen Bilderbuchcharakter und seinen besonderen historischen Flair verleihen. Einladende Straßencafés und Bars beleben das Stadtbild und vielfältige Freizeiteinrichtungen bieten Abwechslung und Lebensqualität für die ganze Familie.

Die Kreisstadt Halberstadt besticht durch die altromanischen Kirchenbauten ebenso wie durch ein vielfältiges kulturelles Angebot und umfangreiche Freitzeitmöglichkeiten. Die Stadt mit ihren 40.000 Einwohnern ist bundesweit vor allem durch den berühmten Dom und die Stadtkirche St. Martini mit ihren zwei asymmetrischen Türmen bekannt.

3 Cluster und Clusterbildung

3.1 Was ist vorhanden - was wird benötigt?

Ein Kompetenzcluster lebt wie jede andere Netzwerkstruktur auch von Partnern und Kontakten. Mit der Hochschule ist bereits ein potenter und zumindest teilweiser auf die optische Forschung und die Netzwerkarbeit ausgerichteter künftiger Netzwerkschwerpunkt vorhanden. Hinzu kommen noch weitere Partner wie das Innovations- und Gründerzentrum Wernigerode  (IGZ WR), das Innovations- und Gründerzentrum Halberstadt (IGZ HA), das Technologietransferzentrum Magdeburg (tti), das mit einer Außenstelle im Harzkreis vertreten ist, ebenso wie das Patentverwertungszentrum Sachsen-Anhalt  (ESA-PVA), welches ebenfalls über eine Außenstelle in Wernigerode verfügt. Auch die Wernigerode AG, die zentrale Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Region, würde sich in den Aufbau eines optischen Kompetenzclusters einbringen. Dazu kommen noch die traditionell in der Region vorhandenen Industrieunternehmen mit optischen Zweigen oder optische Komponenten verwendenden Produktlinien wie der Thyssen Krupp Industrieinstanhaltungsservice Wernigerode, das Bahnbetriebswerk Halberstadt und der Spritzgussspezialist Rautenbach, ebenfalls in Wernigerode ansässig.

Darüber hinaus soll eine von der Hochschule und dem IGZ WR unterstützte optische Ausgründung unter dem Firmennamen HarzOptics voraussichtlich noch Ende 2006 erfolgen. Das erste Produkt dieser Ausgründung werden optische Lehrsysteme mit Wellenlängenmultiplex-Technologie und polymeroptischen Fasern als Lichtwellenleiter sein.  Mit der DieMount GmbH hat zudem kürzlich auch ein erstes optisches Spezialunternehmen den angestammten Firmensitz – in diesem Fall Erfurt – verlassen, um sich in Wernigerode anzusiedeln.

Weitere solche Spezialunternehmen werden zur Entstehung eines viablen Kernclusters benötigt und müssen daher durch Angebote und Marketingmaßnahmen auf die oben dargestellten Vorteile der Region aufmerksam gemacht und für das Projekt „Kompetenzcluster Harzkreis“ begeistert werden. Ein wesentlicher Impuls kann hier von der Hochschule ausgehen, die ihre nationalen und internationalen Kontakte und ihren Zugriff auf bundesstaatliche und landesstaatliche Fördermittel dazu verwenden kann, Projektpartner einzuwerben. Hierzu ist eine strategische Entscheidung seitens der Hochschule in Hinblick auf ein langfristiges Engagement für den Auf- und Ausbau des Clusters erforderlich, der sowohl das politische standing der Hochschulleitung als auch die forschungspolitische Ausrichtung des Fachbereichs AI und die dort im Rahmen der täglichen Lehre vermittelten berufspraktischen und theoretischen Kenntnisse und Fähigkeiten umfasst.

3.2 Erste Schritte in Richtung Cluster

Erste Schritte in diese Richtung sind bereits erfolgt. Insbesondere kann hier auf zwei Fortschritte verwiesen werden: Die Einrichtung der Vertiefungsrichtung „Photonic Systems Engineering“ im neuen Bachelor-Studiengang „Intelligente Automatisierungssysteme“ (IAS) und die geplante Beteiligung der Hochschule an Forschungsvorhaben innerhalb des BMBF-Rahmenprogramms „Optische Technologien – made in Germany“, insbesondere durch das Projekt „Polylux“.

Ziel dieses Projektes ist die Entwicklung von Funktionsbauteilen für Übertragungssysteme mit optischer Wellenlängenmultiplextechnik und Polymerfasertechnologie für Multimedia-anwendungen, beispielsweise in Automobilen oder im Home-Entertainment-Bereich. Das Projekt soll im Rahmen des FH³-Programms bereits Anfang 2007 starten und wird einige hochkarätige Partner aus dem Bereich der technischen Optik in ein Programm mit Wernigeröder Zentrum einbinden, darunter die Boraglas GmbH Halle , das tti Magdeburg und die INB Vision AG Magdeburg . Die Möglichkeit weiterer Projektbeteiligungen seitens der Hochschule im Rahmen des oben genannten BMBF-Optik-Programms wird zur Zeit eingehend untersucht.

Auch das Angebot der Hochschule an Bachelor-Studenten, sich im Rahmen des ingenieurstechnischen Studiums auf optische Systeme zu spezialisieren, kann als Beitrag zur Verbreiterung des regionalen knowledge pools, zur Erhöhung der Zahl ortsansässiger Spezialisten und damit zur Clusterentwicklung betrachtet werden. Zu den wesentlichen Studieninhalten in der Vertiefungsrichtung Photonic Systems Engineering gehören das Design und die Simulation optischer Systeme und Komponenten am Computer mittels Raytracing-Software, Spezialkenntnisse in der optischen Aufbau- und Verbindungstechnik und Grundlagentheorie in technischer Optik, Wellenoptik, Mikrosystemtechnik und Elektrotechnik. An der Hochschule ausgebildete Ingenieure können in der Entwicklung optischer Funktionsbauteile, im Qualitätsmanagement in der optischen Fertigung, im Design optischer Netze und Übertragungsstrecken und in vielen weiteren Arbeitsbereichen eingesetzt werden.

3.3 Die nächste Stufe

Der nächste Schritt besteht in einer gründlichen Analyse der regionalen Wirtschaft, vorzugsweise unter Einbindung der jeweiligen Verbände, mit dem Ziel, weitere potentielle Partner zu identifizieren und bezüglich des Clusterkonzepts zu informieren. Zuvor ist das vorliegende Konzept zu erweitern und zu detaillieren (Zeitplan, debts und benefits der Kooperationspartner, langfristige regionale Vision, Nachhaltigkeitskonzept) sowie an eine corporate identity mit einem entsprechenden corporate style zu binden (d.h. Logo, Schriftzug, Farbe, Schriftart, etc.). Mit allen interessierten Projektpartnern kann eine Projektgruppe und ein Entscheidungsgremium gebildet werden, um weitere Schritte, wie die Identifikation und Anwerbung von Unternehmen und Einrichtungen außerhalb der Region und die Beantragung unterstützender Fördermaßnahmen zu koordinieren.

Die designierte Rolle der Hochschule innerhalb eines solchen Clusters würde eine klarere hochschulpolitische Fokussierung auf den optisch-technischen Bereich und unterstützende Bereiche (wie Informatik, Medientechnik etc.) erforderlich machen. Eine solche Fokussierung beinhaltet, ist aber nicht beschränkt auf: Ein klares Bekenntnis zur Unterstützung des Clustervorhabends, die kurz- bis mittelfristige Beteiligung am BMBF-Rahmenprogramm „Optische Technologien – made in Germany“ mittels entsprechender Forschungsprojekte sowie die langfristige Verbreiterung des Lehrangebots, beispielsweise durch die Umwandlung der Vertiefungsrichtung „Photonic Systems Engineering“ in einen eigenen Bachelor-Studiengang.

4 Fazit - Herausforderung und Chance zugleich

Die Bildung eines regionalen Kompetenzclusters, insbesondere für eine zukunftsträchtige Technologie wie die Optik, stellt eine große Chance für jede Region dar, insbesondere für infrastrukturell und förderpolitisch starke aber wirtschaftsstrukturell weniger starke Regionen wie den zukünftigen Harzkreis. Die Massierung von Know-How, Bildung, Ausbildung und Produktion in einem begrenzten Gebiet in Kombination mit einer entsprechenden langfristigen Marketingkampagne kann dazu führen, einen solchen Cluster und damit die Region auf breiter Basis bekannt zu machen und quasi als „Visitenkarte“ für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung dienen.

Während den enormen Chancen kaum Risiken gegenüberstehen, da die Region im Falle des Scheiterns ohne Kompetenzcluster kein schlechteres standing hat als zuvor, und in jedem Falle in Bildung, Forschung und Wirtschaftsförderung investiert wurde, ist das Gelingen eines solchen Unterfangens dennoch mit großen Herausforderungen verbunden. Es erfordert ein committment aller Beteiligten, sich so gut wie möglich auf die Erreichung dieses Ziels zu konzentrieren und nicht nur in kurzfristigen Aktionismus zu verfallen, sondern nachhaltige Strukturen zu schaffen, eine Aufgabe, die nicht „über Nacht“ zu schaffen ist.

Ist genügend Willen von Seiten der Politik, der Unternehmen, aber vor allem der Hochschule (die als einziger stakeholder kaum finanziell sondern lediglich ideell profitieren kann) vorhanden, so besteht, auch wenn es in der volatilen wirtschaftlichen Umgebung keine Garantien gibt, eine gute bis sehr gute Chance, dass das Vorhaben zum Erfolg führen zu können. In diesem Fall stellt sich nur noch die Frage zu welchem Wachstum, welcher Größe und welcher nationalen und internationalen Bekanntheit man den Kompetenzcluster mittel- bis langfristig führen kann – für die wirtschaftliche Entwicklung der Region und damit die Perspektiven der Bürgerinnen und Bürger ebenso wie der Unternehmer ist ein funktionierender Cluster jeder Dimension in jedem Fall ein Zugewinn.

Literatur

[Bilger03] Bilger, U.: Von der Zukunftsinitiative zum Photonic Valley, Textsammlung des Baden-Württembergischen Landtags, 2003, http://www.landkreistag-bw.de/text_lkt/LKN1_4_19_23.pdf
[Forschung] Forschungsvorhaben an der Hochschule Harz: http://www.hs-harz.de/Verw/WT/bericht/
[KTO06] o.V.: Regional handeln, überregional vernetzen – das Prinzip der Kompetenznetze Optische Technologien, Informationsschrift der Kompetenznetze Optische Technologien, Hannover, 2006
[OT05] o.V.: Optische Technologien – made in Germany, Rahmenprogramm des BMBF für die optische Forschung, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Berlin, 2005
[Patente] Multiplex-Sender für Polymerfaserübertragung und Verfahren zu dessen Herstellung, 10 2005 050 747.6, Demultiplex-Empfänger für Polymerfaserübertragung und Verfahren zu dessen Herstellung, 10 2005 050 739.5, Multiplex-Transceiver für Polymerfaserübertragung und Verfahren zu dessen Herstellung, 10 2006 009 365.8
[WiRO06] o.V.: Innovative Branchen ist Ostwürttemberg – Photonik & Optische Technologien, Informationsschrift der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Region Ostwürttemberg mbH (WiRO), Schwäbisch Gmünd, 2006